Betroffene berichten

COPD – DIE SCHLEICHENDE GEFAHR!

von Cornelia Freudenberger

ALLTAG von Patienten mit COPD:

Du machst die Augen auf, es ist wieder ein schöner Morgen, die Sonne blinzelt ins Zimmer und du bist voller Tatendrang, möchtest aufstehen und den Tag genießen … dich mit Freunden treffen, in der Sonne spazieren gehen, mit deinen Enkerln spielen und vieles mehr, deine To-Do-Liste ist lang … ja, du möchtest … doch STOP: Was ist denn jetzt los?? Du merkst, dass du sehr schwer Luft bekommst, dein Puls rast, du bist schwindelig und du fühlst dich, als wenn ein Gurt deinen Brustkorb immer mehr zusammen ziehen würde – die Luft wird immer weniger – Panik steigt langsam hoch – Schweißausbrüche.
Dieses Spiel kennst du schon … deine Lunge spielt es fast jeden Tag mit dir … Tag ein, Tag aus … du ahnst bereits, dass dieser so hoffnungsvolle Tag anders verlaufen wird, als du es dir vorgestellt hast … du setzt dich vorsichtig auf, versuchst nicht in Panik zu kommen und fütterst nun deine Lunge mit den notwendigen Medikamenten … bronchienerweiternde Sprays versuchen nun, deine Bronchien zu erweitern, damit du wieder genug Luft und Sauerstoff bekommst … aber das dauert und dauert … Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden. Da wird dir etwas klar, nicht DU bestimmst den Tagesablauf, sondern deine Lunge, sie entscheidet, wie der Tag ablaufen wird. Sie entscheidet, ob das Wetter stimmt, ob deine Ernährung die Richtige ist und ob sie überhaupt Lust hat, heute mal mit deinen Wünschen konform zu sein … sie entscheidet, ob du einen guten Tag haben wirst oder ob du den Tag damit verbringen wirst, um etwas zu kämpfen, das für andere eine Selbstverständlichkeit ist:
Nämlich reichlich LUFT zum Atmen zu bekommen! …

Denn genau das ist es, was Patienten mit COPD fehlt:

LUFT ZUM ATMEN!

Das sind alles Faktoren, auf die du keinen Einfluss mehr hast.
JEDE noch so kleine Belastung wird zum Gewaltakt:

  • das Aufstehen in der Früh = eine enorme Belastung,
  • die körperliche Pflege = eine enorme Belastung,
  • Essen zu sich nehmen = eine enorme Belastung,
  • Sprechen = eine enorme Belastung,
  • Jede kleine Bewegung = eine enorme Belastung …

Dies alles und noch viel mehr kannst du im schlimmsten Fall entweder gar nicht mehr oder nur mehr mit Hilfe und einem Sauerstoffgerät bewältigen. Du ziehst dich immer mehr zurück, verlierst deshalb Freunde oder Angehörige, da keiner nachempfinden kann, wie es dir wirklich geht. Depressionen sind da an der Tagesordnung. Dein restliches Leben wird zum Drahtseilakt und ist nur mehr mit massivsten Einschränkungen zu bewältigen.
Doch du bist eine Kämpfernatur und sagst dir trotzdem jeden Tag: „ich schaffe das, morgen wird es besser“, obwohl du weißt, dass du morgen wieder kämpfen wirst müssen … und das ist nur ein kleiner Auszug von dem Kampf, den du jeden Tag überstehen musst … und der Tag hat 24 Stunden … genauso lang kämpfst du, 1440 Minuten, 86400 Sekunden … das und noch viel, viel mehr Einschränkungen muss ein Patient ertragen, der mit COPD leben muss …

Welche ZIELGRUPPE will ich ansprechen?

Mit dieser Informationsaktion möchte ich Menschen erreichen, die noch nicht an COPD erkrankt sind und es ihnen noch gut geht …egal ob sie Raucher sind oder Nichtraucher … und auch Menschen, die sich unter dieser Krankheit nichts vorstellen können oder Menschen, welche bereits leichte Kurzatmigkeit bei verschiedenen Tätigkeiten an sich bemerken … denn ALLE Erwachsene und sogar Kinder können diese Krankheit bekommen!

Was ist COPD?

Viele kennen diese Krankheit nicht … haben noch nie etwas davon gehört … sie kommt schleichend, bleibt sehr lange unbemerkt und ist NICHT HEILBAR …sie kommt vermehrt bei Rauchern vor, doch auch Nichtraucher können sie durch Umweltbelastung (Staub, Chemikalien,) Passivrauchen und Gen-Defekt bekommen … sogar viele Ärzte wussten lange Jahre nicht viel von ihr … so hatte sie lange Jahre Zeit, sich in uns auszubreiten … und dann beginnt ein Kreislauf … COPD wird die winzigen Lungenbläschen zerstören, über die der Sauerstoff in das Blut aufgenommen wird und das Atmen wird immer schwieriger werden … die Atemwege werden verdickt und verlieren an Elastizität … d.h. dass sich die Atemwege nicht mehr richtig dehnen können, wenn mehr Luft in den Lungen benötigt wird … die Luft zum Atmen wird immer weniger, die Atemwege produzieren zu viel Schleim und der Körper hat Schwierigkeiten diesen Schleim abzutransportieren …aufgrund dieser Veränderung ist man für Infektionen anfälliger, die Erkrankungen können länger dauern und schwerwiegender sein als bei gesunden Menschen … da die Lunge nicht mehr richtig funktioniert, kann der Sauerstoff im Blut reduziert sein (sehr gefährlich – geringe Sättigung) …die Lunge und das Atmungssystem werden versuchen, diese Schäden von sich aus zu reparieren und im Körper kommt es zu einem Prozess, den Ärzte als „Entzündungsreaktion“ bezeichnen… das Lungengewebe wird gerötet und geschwollen und die Blutzellen, die gegen Infektionen schützen, sammeln sich konzentriert in den Lungen… das ist ein weiterer Krankheitsprozess bei COPD, durch den es für die Lunge immer schwieriger wird, ihre Funktion richtig zu erfüllen und man sich daher außer Atem fühlt … schließlich kann es auch zu Unterernährung kommen, da der Körper auch beim Essen schon zu viel Energie verbraucht als wir Sauerstoff zu uns nehmen können … da diese Krankheit eine Systemerkrankung ist, werden nicht nur die Lungen geschädigt sondern auch andere lebenswichtigen Organe … Herz, Kreislauf, Knochen, Leber, Magen usw. … es ist wie ein Dominoeffekt … und nicht zu vergessen, dass man im Endstadium schon 24 Stunden sauerstoffpflichtig sein kann …

Vergleich COPD – BAUM:

Für jeden verständlich möchte ich COPD mit einem Baum vergleichen … dazu solltet ihr euch euer Atemorgan mit einem umgedrehten Baum vorstellen … der Stamm ist die Luftröhre, die kleinen Äste sind die Bronchien und die Blätter die Lungenbläschen … die Luft strömt zu den kleinen Ästen (Bronchien) und von dort zu den Blättern (Lungenbläschen).
Von den Blättern (Lungenbläschen) wird der Sauerstoff weiter in das Blut transportiert … NUR VON DORT kann der Sauerstoff ins Blut gelangen … deshalb sind diese Blätter (Lungenbläschen) extrem wichtig …
Was passiert nun bei einer COPD? Diese kleinen Äste (Bronchien) sind ständig entzündet, verengt und verschleimt. Die Blätter (Lungenbläschen) werden zum Teil zerstört, verlieren ihre Elastizität und es bilden sich eventuell Blasen, die mit Luft gefüllt sind, die sich auch nicht mehr zusammenziehen (das nennt man „Überblähung“). Dieser Vorgang ist nicht mehr rückgängig zu machen (nicht umkehrbar). Und somit nimmt diese Krankheit ihren weiteren tragischen Verlauf.

KONTROLLUNTERSUCHUNG:

Es gäbe noch SEHR viel zu COPD und den Auswirkungen zu sagen … am allerwichtigsten ist es jedoch, dass man, solange man noch gesund ist, mind. 1x im Jahr zu einer Kontrolluntersuchung zum Lungenfacharzt geht … es ist eine total schmerzlose Untersuchung, doch nur so könnte man den Verlauf dieser Krankheit noch zum Positiven verändern … viele Menschen tragen bereits COPD in sich, doch da das Krankheitsbild in den ersten beiden Stufen nicht gleich erkannt wird, wissen sie es nicht, dass sie jetzt schon handeln und gegensteuern müssten …. deshalb appelliere ich an ALLE, sich dieser Kontrolluntersuchung jedes Jahr zu unterziehen ….

Meine COPD-GESCHICHTE:

Ich, Cornelia Freudenberger, habe 15 Jahre lang mit dieser heimtückischen und unheilbaren Krankheit gelebt und bin erst zum Arzt gegangen als ich bei Belastung massiv kurzatmig wurde … in den Stufen 1-2 hatte ich zwar etliche leichte Symptome, die habe ich aber alle ignoriert … war ja nicht so tragisch, meinte ich … doch Stadium III war schneller da als ich „piep“ sagen konnte und mein Weg zum Sauerstoff nicht mehr weit entfernt … mit massivsten Einschränkungen und vielen gefährlichen Infekten, manchmal dem Tod näher als dem Leben, musste ich dann viele Jahre leben … ich erlebte, wie es sich anfühlt, von einer Minute auf die andere keine Luft mehr zu bekommen und mein Körper krampfhaft versucht, Sauerstoff aus all den Organen zu ziehen, die nicht zum Überleben gebraucht werden, nur um das Gehirn mit Sauerstoff versorgen zu können …glaubt mir, dieses Gefühl ist der reinste Horror und man hat Todesangst … heute lebe ich mit einer neuen Spenderlunge und es geht mir sehr gut  … doch nicht jeder hat das Glück eine neue Lunge zu bekommen … viele Patienten sind deshalb schon an dieser Krankheit verstorben und es werden immer mehr, denn eine Heilung gibt es nicht …

Mein APPELL an ALLE:

Erspart euch einen langen und sehr steinigen Weg durch diese heimtückische Krankheit, erspart euch mit ansehen zu müssen, wie eure Angehörigen mit euch leiden und euch nicht helfen können, wenn eure Lunge wieder einmal versagt … erspart euch, miterleben zu müssen, wie euer Körper verzweifelt versucht, den letzten Sauerstoff zu ergattern um eure Organe zu versorgen (glaubt mir, ihr wollt das sicher nicht erleben!!!!) … erspart euch, wie es sich anfühlt, wenn das Gefühl in euch hochkriecht, dass ein Gurt sich um euren Brustkorb immer enger schnallt und ihr immer weniger Luft bekommt … erspart euch, nicht einmal die kleinsten, für euch selbstverständlichen Alltagsdinge nicht mehr alleine machen zu können (z.B. die körperliche Pflege, WC-Gänge, ankleiden und vieles mehr).

Wenn ihr raucht, überlegt euch z. B. bei JEDER Zigarette, ob sie denn wirklich notwendig ist und ihr euch wirklich freiwillig dieser Krankheit, mit all ihren Konsequenzen, aussetzen möchtet … deshalb, geht JEDES Jahr vorsorglich zu dieser Untersuchung!!!
Je früher ihr diese Untersuchung macht, umso eher kann euch noch geholfen werden.
Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung, denn ich habe diese Horrorvisionen am eigenen Leib erleben müssen!

Ich hoffe, dass ich einen kleinen Einblick in diese Krankheit geben konnte, damit „NOCH NICHT BETROFFENE“ begreifen, welche Gefahr auf sie zukommen könnte …

Schreibe einen Kommentar